Startseite › Festveranstaltung ein voller Erfolg!

Amnesty International feiert Geburtstag: Im Mai dieses Jahres wurde die Menschenrechtsorganisation 50 Jahre alt. Weit über 100 Freunde und Förderer von Amnesty International zog es aus diesem Anlass am vergangenen Donnerstag in den Saarbrücker Schloßkeller. Dort veranstaltete der Amnesty-Bezirk Mosel-Saar-Westpfalz einen Festakt unter dem Motto „50 Jahre Amnesty International – Ein Grund zum Feiern, nicht zum Ausruhen!“ Peter Gillo, Direktor des Regionalverbands Saarbrücken, sprach das Grußwort. Den Festvortrag hielt Wolfgang Grenz, Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International. Den künstlerisch-literarischen Teil des Abends gestalteten der Schriftsteller Urs M. Fiechtner und der Theatermusiker Markus Munzer-Dorn mit einer Konzertlesung unter dem Titel „Dass wir heute frei sind...“.
Bezirkssprecher Sebastian Schweda erinnerte die Anwesenden in seiner Begrüßung daran, dass die Erzeugung öffentlichen Drucks nach wie vor die wirkungsvollste „Waffe“ von Amnesty International sei. Seit der Gründung 1961 habe Amnesty so nicht nur dazu beigetragen, wichtige Meilensteine im internationalen Menschenrechtsschutz wie die UN-Antifolterkonvention voranzutreiben. Auch unzählige Menschenrechtsverletzungen an Einzelpersonen habe man weltweit erfolgreich bekämpfen können.
Die Bedeutung der Menschenrechtsarbeit von Amnesty International würdigte auch Peter Gillo. Er betonte, dass jeder Einzelne etwas gegen Menschenrechtsverletzungen tun könne. Dass es heutzutage „nur“ noch in rund 50 Staaten der Welt die Todesstrafe gebe, sei maßgeblich auf das Engagement von Amnesty International zurückzuführen. Es gebe nur wenige Staatsoberhäupter, denen es egal sei, wenn Amnesty International Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land aufdecke. Der Festvortrag von Wolfgang Grenz trug den Titel „50 Jahre Amnesty International: Ein Grund zum Feiern – kein Grund zum Ausruhen!“ Grenz gab zunächst einen Überblick über wichtige Stationen in der Geschichte der Menschrechtsorganisation. Im zweiten Teil seiner Rede ging er auf Menschenrechtsthemen mit aktuellem Bezug ein, etwa das von Deutschland noch nicht ratifizierte Zusatzprotokoll zum UN-Sozialpakt, das dem Einzelnen die Möglichkeit gebe, seine Rechte nach dem Vertrag einzuklagen. Auch mit Blick auf die Situation der Flüchtlinge in Nordafrika nahm Grenz die Bundesregierung in die Pflicht: Sie dürfe von den neuen Regierungen in dieser Region nicht verlangen, die rigide Flüchtlingspolitik der vormaligen diktatorischen Regime fortzuführen. Rückführungsabkommen wie das zwischen Italien und Libyen hätten maßgeblich zur Abschottung Europas von den Flüchtlingsströmen aus Afrika beigetragen.
Einen facettenreichen Überblick über die Geschichte von Amnesty International und deren Akteure bot auch die Konzertlesung von Buchautor Urs M. Fiechtner und Gitarrist Markus Munzer-Dorn, die im Wechsel Episoden aus dem Menschenrechtslesebuch „Dass wir heute frei sind“ und eigene Gitarrenkompositionen von Munzer-Dorn mit hintersinnigen Texten präsentierten. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete die Perzeption der Arbeit von Amnesty durch Staat und Öffentlichkeit. „Es hat sich auch in Deutschland viel verändert“, hob Fiechtner hervor. „Zu meiner Schulzeit wurde die Gründung einer Amnesty-Schülergruppe noch mit einem Schulverweis bestraft. Heute beklagen sich Lehrer derselben Schule über die mangelnde politische Bildung ihrer Schüler und laden uns ein, über die Arbeit von Amnesty zu informieren. Ja, sie wünschen sich sogar, dass Schüler Amnesty-Gruppen gründeten.“
Im Anschluss lud der Bezirk zu einem gemeinsam ausgebrachten „Toast auf die Freiheit“ ein, an dem sich viele der Gäste beteiligten.
Im Mai 1961 – in der Hochphase des Kalten Krieges – rief der britische Rechtsanwalt Peter Benenson in einem Artikel dazu auf, sich für „vergessene Gefangene“ einzusetzen: der Beginn von Amnesty International. Bereits im Juni 1961 gründete sich in Köln die erste Amnesty-Gruppe in Deutschland. Heute zählt die Menschenrechtsorganisation mehr als drei Millionen Mitglieder und Unterstützer/-innen und feiert die Idee, dass einzelne Menschen zusammen die Welt verändern können. Bundesweit veranstaltet Amnesty International in diesem Jahr 200 große und kleine Aktionen und lädt die Öffentlichkeit, Mitglieder und Unterstützer/-innen zum Mitmachen ein. Die Botschaft ist eine Aufforderung, aktiv zu werden: „Sei dabei. Mit Deiner Unterschrift. Deiner Spende. Deinem Einsatz.“